#März: Die Kunst, zu beginnen – ein Plädoyer für das Scheitern

Wer kennt das nicht, Dinge, die man sich schon lange vorgenommen hat finden einfach nicht statt, weil man sie immer wieder aufschiebt. Es lässt sich oft nicht erklären, aber irgendwie kommt immer wieder etwas dazwischen. Die Ausreden dafür sind zahlreich. Was genau hindert uns eigentlich daran, den längst schon gehegten Wunsch endlich umzusetzen? Woran scheitern wir eigentlich wirklich?

Die Sache liegt auf der Hand: Wer etwas anfängt und sich damit zeigt hat nicht immer etwas zu gewinnen, sondern auch viel zu verlieren. Das Risiko mit unserem Vorhaben zu scheitern, scheint uns manchmal zu groß. Dagegen ist es leichter die Illusion aufrecht zu erhalten, wir könnten ja alles, was wir uns vornehmen auch erfolgreich schaffen, wenn wir nur wollten und ja, wir wollen ja auch, aber leider klappt das gerade einfach nicht, rein aus zeitlichen Gründen, versteht sich.

Hinter diesen Abläufen steckt oft unser Selbstbild. Wir entwerfen viele Möglichkeiten von uns, wer wir so sein könnten, was wir dann tun würden und gefallen uns mit dieser Vorstellung oft ganz gut. Würden wir alle unsere Pläne in die Realität umsetzen, gäbe es jedoch schnell einen Abgleich mit eben dieser. Und die Erfahrungen damit sind natürlich ganz verschieden: manchmal gelingen uns Dinge sehr erfolgreich, aber manchmal eben auch nicht. Wir scheitern. Und genau das ist gut!

Ohne die Erfahrung des Scheiterns würden wir uns nicht weiterentwickeln. Wir wären nicht motiviert, andere Wege auszuprobieren und neue Lösungen zu finden. Man denke nur daran, wie ein Kleinkind Laufen lernt und wie viele Male vorher fallen muss, bevor das Laufen richtig klappt. In der Geschichte der Wissenschaft und Wirtschaft gibt es ebenso Beispiele zu finden. So scheiterte beispielsweise der Alchimist Johann Friedrich Böttger bei dem Versuch Gold herzustellen und erfand so, ganz nebenbei, das Porzellan.

Die Erfahrung zu scheitern kann einen Wendepunkt im Leben bedeuten und uns neue Perspektiven schenken. Eine Frage oder einem Thema, bei dem wir nicht weiterkommen muss nicht als missglücktes Ende gedeutet werden, sondern kann der Beginn für eine neue positive Erfahrung sein. Die Gründe, warum wir etwas als gescheitert bewerten sind vielfältig. In den meisten Fällen jedoch haben sie mit der inneren Einstellung zu uns selbst zu tun.


Zeiten der Unsicherheit bieten oft Chancen. Beim Bewältigen eines Problems, der Überwindung einer Krise, entwickeln wir neue Strategien, die uns später gut durch das Leben tragen, sie bilden unsere Ressourcen.
Im Coaching geht es darum, förderliche Einstellungen zu gewinnen, die uns aus der Krise herausführen, uns unsere Fragen beantworten oder den nächsten Schritt gehen lassen. Es ist eine Möglichkeit, positive Impulse dafür zu erhalten, wie wir mit einer als gescheitert wahrgenommenen Situation ressourcenorientiert umgehen können.
Scheitern verdient Respekt und Anerkennung, denn es steht für den Mut, neue Erfahrungen machen zu wollen. Es bedeutet neugierig und motiviert, etwas auszuprobieren und sich dabei Stück um Stück selbst näherzukommen, sich mit den eigenen Wünschen und Zielen im Leben zu verbinden und letztendlich daran zu wachsen.